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Mein Gedankenregal

Dienstag, 7. März 2017 - 19:25 Uhr
Dummheit, Intelligenz und Weisheit

Dummheit ist leider unabhängig vom Bildungsgrad. Die Dummen haben gar nicht die intellektuellen Möglichkeiten, wirklich große Dummheiten zu begehen - es sei denn, sie nutzen einen Computer. Die größten Dummheiten wurden nicht von wirklich Dummen, sondern von Unweisen gemacht. Ob Intellektualität wirklich die Kombination aus Intelligenz und Weisheit ist, weiß ich noch nicht. Mir scheint, es gebe noch eine Weisheit, die ebenfalls relativ unabhängig vom Bildungsgrad ist - im Gegensatz zur Intellektualität.

Montag, 16. Januar 2017 - 20:34 Uhr
Über die Subjektivität der Zeit

Zeit – ein Begriff, an dem sich Wissenschaft und Gesellschaft seit Jahrtausenden die Zähne ausbeißen. Niemand weiß, wieso die Zeit immer „vorwärts“ läuft, manchmal vergeht sie schnell, mal langsam, doch die Uhren ticken immer gleich schnell (wenn man mal von relativistischen Effekten absieht).

Hier soll es aber erst einmal um das Zeitempfinden gehen. Die meisten Menschen haben den Eindruck, die Zeit vergehe grundsätzlich immer schneller, sie beschleunige sich. Andererseits gibt es Phasen, in denen sich Sekunden zu Stunden zu dehnen scheinen, etwa dann, wenn wir auf etwas warten. Dann wieder sind wir überrascht, wie schnell doch die Zeit vergangen ist.

Wie schnell die Zeit zu vergehen scheint, hängt von der Qualität und der Quantität der Informationen ab, die wir während einer objektiven Zeitspanne wahrnehmen. Wenn wir warten, geschieht in der Regel – nach unserer Wahrnehmung – nicht allzu viel um uns herum, weil wir uns auf das Ereignis konzentrieren, das noch nicht eingetreten ist. Ähnliches geschieht bei der Konzentration auf langdauernde Ereignisse, etwa einen Sonnenuntergang. Wenn wir uns nicht auf etwas konzentrieren und viele Informationen auf uns einprasseln, scheint die Zeit schneller zu vergehen. Dies führt bisweilen zur Erschöpfung, obwohl wir kaum etwas aktiv oder produktiv getan haben. Dies ist auch der Grund, wieso Hektik und Multitasking niemals dazu führen, dass Dinge schneller und effizienter erledigt werden.

Der Schlüssel zu Effizienz und Effektivität liegt einzig und allein in der Konzentration auf eine Sache, und zwar auf die, die jetzt gerade zu tun ist. Die Priorisierung von Aufgaben muss dem natürlich vorangehen. Aber nun ist auch klar, weshalb elektronische Kommunikation ein Effizienz- und Effektivitätskiller sondergleichen ist: Wer permanent unterbrochen wird – z.B. von Emails, WhatsApp-Nachrichten etc. –, kann sich nicht konzentrieren, nicht über einer Sache bleiben, was zur Oberflächlichkeit, zum permanenten Neustart der Aufgabe und damit zur Vermeidung von deren Durchdringung führt. Die völlige und konstruktive Hingabe an eine Beschäftigung, wie wir sie bei spielenden Kindern erleben können, geht uns spätestens mit dem Erhalt des ersten Smartphones verloren.

Um den Wahnsinn unserer alltäglichen Aufgaben zu meistern, müssen wir also Konzentration wieder lernen. Es gibt tausende von Möglichkeiten: Meditationstechniken, autogenes Training, Achtsamkeit, Gebet etc. Dabei erwischt man sich jedoch häufig dabei, dass die Gedanken abschweifen. Das ist nicht weiter schlimm; man kann diesem die Konzentration störenden Phänomen jedoch begegnen. Probleme entwaffnet man, indem man sie sich zum Freund macht. Dinge, die um Himmels willen nicht vergessen werden dürfen, schreibt man sich noch auf (per Hand). Andere behandelt man wie Freunde: Sie merken, dass sie gerade stören, werden aber zuverlässig wiederkommen. Verlassen sie sich also darauf: Probleme, die Sie vergessen, werden sich schon selbst wieder in Erinnerung bringen.

Der entscheidende Haken an all diesen Konzentrationstechniken ist: man muss sie ausüben, denn nur durch das „Aus-Üben“ kann man sie „ein-üben“. Konzentration ist wirklich Übungssache. Das lateinische Wort „meditari“, von dem sich „Meditation“ ableitet, heißt zunächst ja auch nichts anderes als „üben“ bzw. „sich in etwas üben“. Dabei ist Geduld gefragt. Je nach Technik benötigt es mehrere Wochen bis wenige Monate, bis sich die ersten Früchte einstellen. Doch Sie werden bemerken, dass es sich lohnt, weil man gelassener und immuner gegen die auf einen einprasselnden Informationen, Anforderungen etc. wird.
Das Wort „Üben“ kennen übrigens Musiker in besonderem Maße. Hier heißt es im landläufigen Sinn, einen durch Notentext vorgegebenen mechanischen Vorgang so lange zu wiederholen, bis er quasi von selbst abläuft.

Als Musiker habe ich mich in den letzten Jahren sehr intensiv mit diesem Vorgang des Übens befasst. Dabei ist mir aufgefallen, dass das Zeitempfinden von Zuhörer und Musiker unterschiedlich „schnell“ ist. Das heißt, das objektiv selbe Tempo wird vom Interpreten als langsamer wahrgenommen als vom Zuhörer. Dies führt dazu, dass viele Stücke heute schneller gespielt werden, als es ihnen musikalisch zuträglich ist.

Woran liegt das? Der Interpret muss eine unglaubliche Fülle und Intensität von Informationen verarbeiten, bis das von ihm evozierte Klangereignis eintritt. Abgesehen vom Bewegungsablauf findet während des Übens – und der Aufführung! – ein ständiger Regelkreislauf statt, bei dem rationale, emotionale, motorische und auditive – mitunter auch synästhetische – Informationen abgerufen, vorbereitet und korrigiert werden. Das Klangereignis selbst ist letztlich nur ein müder Abklatsch all dessen, was in Körper und Geist eines Musikers stattfindet. Beim Zuhörer wird kaum jemals eine vergleichbare Fülle und Dichte von Informationen ausgelöst, weshalb in der Regel das gespielte Stück als „schneller“ empfunden wird – eine entlastende Botschaft für alle, die an ihren virtuosen Ansprüchen scheitern.
Doch zurück zum Üben. Üben gelingt am besten komplett OHNE Zeit. Was objektiv unmöglich erscheint, ist subjektiv weitgehend machbar. Jeder kennt Momente höchster Intensität, die sich unendlich zu dehnen scheinen. Gerade Verliebte kennen den annähernd zeitlosen Rausch, der sich beim gegenseitigen Liebkosen, Streicheln etc. einstellt. Hier scheint keine Zeit zu vergehen.

Wenn es gelingt, das Übetempo so weit zu reduzieren, dass höchstmögliches sich-Einlassen auf die Intensität des Momentes stattfinden kann, wenn sich in diesem endlosen Moment eine intensive Gefühlsbeziehung zu „erobernden“ Werk aufbauen kann, gewinnt das Üben ein Höchstmaß an Effektivität.
Wichtige Kriterien für das Erlernen einer Komposition sind die Faktoren Zeit und Intensität. Wer das Üben auf die permanente Wiederholung mechanischer Abläufe reduziert, wird sehr schnell seine Freude daran verlieren, weil das Gehirn ermüdet und keinen Sinn in der Tätigkeit sieht, somit versucht ist, sich nach Interessanterem umzusehen. Wer das Üben jedoch als eine Art Liebesakt begreift, von berauschender Emotionalität auf den Flügeln der Zeitlosigkeit getragen, macht aus dem Üben ein intensives multidimensionales Erleben. Etwas, was als so intensiv erlebt wird, wird vom Gehirn als ungeheuer relevant eingestuft und daher auch im Schlaf weiter bearbeitet. Die Folge ist nicht nur schnelles Erlernen eines Stückes, sondern auch die Verknüpfung angenehmen Erlebens mit diesem Werk. Die Reife eines Künstlers zeigt sich unter anderem darin, diese intensiven positiven Gefühle – zumindest bis zu einem gewissen Grad – zu nahezu jedem beliebigen Werk quasi „auf Kommando“ aufbauen zu können.

Nun ist es in der Tat so, dass man ein musikalisches Kunstwerk nicht im langsamen Übetempo konzertant vortragen kann, wenn man ihm gerecht werden will. Daher muss man es „ins Tempo bringen“, was wiederum Angst auslösen kann und Fehlerquellen birgt. Deswegen sollte man damit warten, bis man tatsächlich das Stück emotional sehr gut memoriert hat, und die Virtuosität des Körpers derweil mit anderen Stücken trainieren. Im Laufe des Übeprozesses „schrumpft“ allmählich das Stück vor dem inneren Auge, es gewinnt große Strukturen – man überblickt es. Jetzt kann man sich von den einzelnen Noten lösen, sie werden zu Notengruppen, diese werden zu Phrasen, Phrasen zu Abschnitten. Die Komposition erlebt eine zunehmende mentale Gleichzeitigkeit aller Klangereignisse – sie müssen nur noch „pro-duziert“ werden. Damit geht die Zeitlosigkeit, mit der das Üben begonnen hat, in eine andere Form von Zeitlosigkeit über: die subjektive Gleichzeitigkeit des Sukzessiven. Das Geübte wird im Inneren des Interpreten geradezu zu einer „Idee“ im platonischen Sinn, dessen Transzendente Existenz durch den Prozess des Musizierens – wir nennen es „Interpretation“ – in ein einmaliges, unwiederholbares Klangereignis, mithin in die Immanenz, transformiert. Somit haben Zuhörer in einem Konzert immer einen Anteil an der subjektiven Ewigkeit des Interpreten. Allein diese Erkenntnis sollte ausreichen, ideelle und auch materielle Ehrfurcht vor der Leistung von Musikern zu zeigen.

Montag, 16. Januar 2017 - 16:49 Uhr
Willkommen

Herzlich willkommen bei meinem neuen Blog. Hier wird es nicht täglich, aber häufig einige Gedanken zum obigen Themenkreis geben, die mich umtreiben oder beschäftigen. Im Laufe der Zeit wird sich daraus ein Bild meines Denkens ergeben, das viele anregend, andere aufregend finden oder sich darüber aufregen werden. Seit ich mich aus den sozialen Netzwerken weitgehend zurückgezogen habe wegen des teilweise unverschämten Umgangstones, wähle ich diesen Weg der zugegebenermaßen einseitigen Kommunikation.

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